Warum die MEHR für mich WENIGER ist

In der Mitte derimg_20160305_110643 Anbetung steht nicht der Mensch, sondern Gott. Wir richten uns nach dem Willen Gottes aus, weil er der Schöpfer, Besitzer und Erhalter des Lebens ist. Wenn in der Mitte der Anbetung die eigenen Gefühle des Menschen stehen, so wie die Menschen es möchten, wie es die Menschen anspricht, so ist dies eine Anbetung, die nicht Gott in die Mitte stellt.

Auf der MEHR Konferenz macht man Gottesdienste für Leute, die Gottesdienste normalerweise nicht mögen. Die Fragen, die man sich stellt sind die: Wie können wir Menschen erreichen, die nicht in die Kirche gehen. Wie können wir viele Menschen erreichen? Das sind gute, missionarische Fragen.

Aber man beantwortet diese Fragen, indem die Gottesdienste so gestaltet werden, dass die Menschen kommen. Das ist die erste Mission der Gebetshausbewegung. Es sollen Leute kommen, egal ob gläubig oder nicht und egal welcher Konfession, möglichst viele, möglichst alle, möglichst JUNGE Leute. Es geht um die Breitenwirkung. Viele Befürworter dieser Methode wischten meine Bedenken hinweg mit den Worten: schauen Sie sich doch den Altersdurchschnitt an. – Darauf kann ich nur antworten: Altersdurchschnitt sagt nichts über die Qualität einer Veranstaltung aus. Was nützt mir ein niedriger Altersdurchschnitt, wenn die Veranstaltung eine Veranstaltung ist, die den Geschmack der jungen Leute in den Mittelpunkt stellt, einfach, damit der Laden voll wird?

Das Konzept der MEHR ist entsprechend:  Welche Musik hören die meisten Leute, was ist ihrer Geschmack? Und dann wird die Musik nach dem Geschmack der Zielgruppe ausgesucht, Rock und Pop. Normalerweise hören die Leute ja auch keine Predigten in ihrem Alltag, sondern Unterhaltung, so wie die Unterhaltung im Fernsehen abläuft, oder in kurzen Internetspots. Also wird die Predigt locker spritzig witzig gestaltet, wie eine Show, mit Pantomime, Anspielungen, eine perfekte Show, damit die Leute angesprochen werden. Derjenige, der da am meisten Auftritte hat, kleidet sich in enge Hosen, mit einem Jackett drüber, das mindestens eine Konfektionsnummer zu eng ist, er läuft auf der Bühne hin und her, und bewegt sich dabei, wie soll ich es sagen, etwas sonderbar, es erscheint mir betont weiblich. Er benutzt eine etwas aufgesetzte Redeweise, benutzt Wörter, die vielleicht nicht jeder versteht, aber die Zielgruppe der eher kirchenfernen jungen Leute schon, dazwischen gibt es immer gerne englische Worte, in Anlehnung an die amerikanisierte Veranstaltung. Finden die jungen Leute alle Amerika so hipp? Ob das in den nächsten Jahren auch noch so angesagt bleiben wird, vielleicht wird es bald mehr spanische Wörter geben, wer weiß. Es ist jedenfalls nicht mein Stil, nichts, das mich irgendwie ansprechen würde, im Gegenteil, es hindert mich daran, zuzuhören. Trotzdem habe ich vor zwei Tagen in einen der Podcasts reingehört. Aber leider kann ich nicht sagen, über was da gesprochen wurde. Es ging vom hundertsten ins tausendste, einmal hier einen Happen, einmal dort einen Happen. Es war eine Show, eine Darstellung, bestimmt unterhaltsam durch die Bekleidung, durch die Bewegungen, den Neusprech… und will wirklich jemand einen roten Faden finden? Mir war es jedenfalls nicht gegeben.

Man kann ja sagen, prüfet alles, das gute behaltet. Kann man nicht einfach mal diese Musik und lila-rosa Art der Bestrahlung weglassen? Die laute Geräuschkulisse etwas runterschrauben? Aber wenn man diese Art Musik, mit Band, Schlagzeug, Licht allem Drum und Dran weglässt, hat es keinen Erfolg.  Diese Sache funktioniert nicht, wenn nicht die „richtige“ Musik dabei ist. Der Gottesdienst wird nach Bedürfnissen ausgerichtet von Menschen, die nicht in die Kirche gehen. In Deutschland hat das bisher weniger funktioniert, aber in den USA hat es eingeschlagen, weil die Menschen religiöser sind. Die MEHR-Konferenz ein amerikanisiertes Event. Die Menschen in den USA gehen jede Woche in solche Gottesdienste, gehen wieder weg, suchen sich etwas anderes, es sind protestantische Freikirchen dort, man sucht sich die Gemeinde nach Gusto,  die Fluktuation ist größer. In Deutschland ist die Menge der Atheisten größer, daher ist dieses Konzept in Deutschland nicht so erfolgreich, außerdem gehören Katholiken in ihre Gemeinde durch ihren Wohnsitz, was die Fluktuation eindämmt, und auch, dass man sich seine Gemeinde nach Gusto sucht, ganz abgesehen davon, dass die hl. Messe einheitlicher gefeiert wird. Da hier in Deutschland diese Art Gottesdienst also nicht wirklich ankommt, findet sie als Großevent statt, wie der MEHR, und nicht als regelmäßiger Gottesdienst.

Der Gottesdienst den wir halten, ist nicht dazu da, dass der Geschmack von Menschen, die nicht an Gott glauben, befriedigt wird. Im Gottesdienst weidet Gott, der Hirt seine Schafe. Der Gottesdienst dient nicht dazu,  die Böcke zu bespaßen. Der Gottesdienst ist für die Schafe da, die Gott, den Hirten in ihrer Mitte haben, ihn anbeten und von ihm unterrichtet werden. Es ist eine Begegnung der Schafe mit ihrem Hirten. Wir sollen Gott so anbeten, wie Gott es möchte, nicht wie wir es uns ausdenken, oder es dem letzten Schrei entspricht, oder dem, was in der Diskoszene gerade angesagt ist… Das Ziel eines Gottesdienstes ist es, Gott anzubeten, nicht Ungläubige zu bespaßen. Dafür gibt es die Aufgabe der Mission, die außerhalb des Gottesdienstes stattfinden sollte. Und die Frage ist es, ob da, außerhalb überhaupt Mission stattfindet und wenn ja, dann wie.

Zum Thema Anbetung 24/7, wie es auf Neusprech heißt, kann ich nur sagen: Geht in Augsburg zu den Sternschwestern, wenn Ihr dort seid, oder zur Knotenlöserin, geht zu den Clarissinnen mit der Anbetung, Tag und Nacht, in Koblenz, in Mainz, in Düsseldorf zu den Zisterzienserinnen. Diese Anbetung gibt es seit hunderten von Jahren. Das ist nicht neu.

Das sind einige Gründe, warum ich mich mit der MEHR nicht anfreunden kann. Ich glaube nicht, dass es der richtige Weg ist, tiefgreifend zu missionieren. Leider fällt mir besonders negativ auf, dass gerade auf sozialen Netzwerken eine Art Überschwemmung und Massenbegeisterung stattgefunden hat, die jede kritische Stimme sofort unterdrückt hat. Es wurde mir abgesprochen, zu fühlen, was ich nun mal fühle, wenn mir rosa-lila Rockkonzertphotos mit der Bildunterschrift: „Hl. Messe auf der MEHR “ auf Facebook entgegengegeschrien haben. Und ich fühlte mich entsetzt. Auch dieses Gefühl wurde mir abgesprochen. Ich dürfe nicht so fühlen. Ich müsste begründen, warum ich so fühle.  Jeder geistliche Begleiter weiß, dass man einem Menschen die Gefühle, die er hat, und seine Wahrnehmung nicht absprechen kann. Das hat keinen Sinn. Ein Mensch fühlt, was er fühlt. Diese Gefühle als falsch zu deklarieren, ist verletzend. Zu fordern, sie zu rechtfertigen und zu begründen, ebenfalls. Es ist, wie es ist. Es scheint mir aber genau das der Gebetshausbewegungsstil zu sein: Wer nicht mit jubelt, wird noch mehr mit Fotos und Begeisterungsberichten zu geschwemmt. Ich wurde bewußt von Gebetshausbewegungsfans auf diesen Seiten markiert, damit diese Fotos mir auf Facebook ihre Präsenz entgegenschreien. Damit ich gezwungen werde, zu lesen, wie toll das doch ist. Wer nicht mit jubelt, dem werden seine Gefühle abgesprochen, der muss seine Gefühle begründen, dem wird gesagt, er war nicht da, er habe die Erfahrung nicht gemacht. Das ist eine Taktik. Ich nehme sie als verletzend wahr. Ich entnehme ihr auch, wie unsicher die Leute sind, die eine solche Taktik nötig haben. Sie zeigt mir, dass mein Platz nicht in dieser Bewegung ist, da ich den Menschen ihre Freiheit lassen möchte, was sie fühlen und glauben.

 

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3 Antworten zu Warum die MEHR für mich WENIGER ist

  1. Claudia Sperlich schreibt:

    Kirchenmusik war immer modern.
    Es ist – von dem Dauerbrenner Gregorianik abgesehen – eine ziemlich neue Erscheinung, daß in Kirchen mehr alte als neue Musik gespielt wird.

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    • guterhirtealbanien schreibt:

      Es war aber auch ein anderer gesellschaftlicher Kontext. Hätte es eine Veranstaltung gegeben, wie die heutigen Konzerte, wäre vermutlich die Inquisition gekommen… die Kultur hat eine Diskrepanz zwischen den weltlichen und religiösen Musikstilen ja gar nicht zugelassen. Und heute schaut man halt, was dafür für den Gottesdienst angemessen erscheint. Dabei greift man häufiger auf alte Musik zurück. Das erstaunt mich nicht, wenn ich den Podcast der MEHR öffne. Das ist logisch.

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      • guterhirtealbanien schreibt:

        Ich muss, nachdem ich mich besser informierte, noch etwas anfügen:
        Kirchenmusik war nie modern. Bei besonders festlichen Messen wurde immer cantus planus oder Polyphonie gesungen. Im Laufe der Zeit konnten bei weniger festlichen Messen auch im Volksmund gesungen werden … aber das waren gefühlsbetonte Lieder, später durch das Gotteslob ersetzt. Moderne Gitarre etc. schlich sich am Ende der 60er Jahre mit der „Dialogmesse“ ein.
        Daher waren weder Musik noch Liturgie jemals „modern“. Und mussten es auch nicht sein – denn es geht um Gott und nicht um uns!
        Wir denken jetzt, dass wir schlechte Gittarrenmusik der 60er Jahre brauchen, weil wir denken, dass junge Leute es mögen – nicht weil es unsere Liturgie besser macht oder weil Gott es mag! Das ist jetzt mit dieser Lobpreismusik der MEHR genau das gleiche.

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