Oh, Du min Köln am Rhing

Ja, ich liebe Köln, obgleich ich mir im Moment nicht vorstellen kann, was da in der Silvesternacht geschehen ist.

Am Montag abend – also erst vier Tage später – tauchte bei mir, die ich fast 1500 km weiter südlich lebe, erstmalig ein Link auf Facebook auf, zu einem Zeitungbericht der Geschehnisse. Ich hatte zu dem Zeitpunkt noch nicht mitbekommen, dass wohl die ARD, nicht aber das ZDF über die Vorfälle berichtet hatte. Auch eine Merkwürdigkeit in dem Geschehen.

Dieses Schweigen der Medien liegt aber nicht daran, dass ich hier in Albanien keine Nachrichten bekomme. Es lag daran, dass nicht berichtet wurde. Und das ZDF berichtete selbst am Montag nocht nicht!  – Inzwischen ist es ein Vorfall, der es in die tägliche internationale Berichterstattung geschafft hat, und offenbar konnte man ihn nach Berichten in den Sozialen Medien nicht mehr verschweigen!

Am selben Abend unterhielt ich mich mit einigen Freunden und sagte etwas resigniert: Werdet Ihr sehen, am Ende wird gesagt, die Frauen sind Schuld und passieren wird nichts.

Ich hatte Recht und doch Unrecht. Erst schien es so, dass nach der Konferenz, die die Oberbürgermeisterin zusammen gerufen hatte, nicht wirklich der große Wurf herausgekommen war – es schienen mir viele Worte zu sein, aber wie die konkrete Umsetzung gehen sollte, das blieb für mich offen.

Kurz drauf befand sich die Oberbürgermeisterin von Köln in einem sogenannten Shitstorm der Sozialen Medien. Da bekam ich dann doch Unrecht mit meiner Aussage, passieren wird nichts. Es passierte dann im Verlaufe der nächsten Tage fast stündlich etwas. Allerdings nicht das Erhoffte, nämlich nicht die Festnahme und Bestrafung der Täter.

So ein Shitstorm ist nichts erfreuliches für den, der ihn abbekommt. Die Aussage der Oberbürgermeisterin, gefragt nach der Möglichkeit für Frauen, sich vor solchen Übergriffen, wie hier geschehen zu schützen, beantwortete die Frage zwar, aber die Antwort liefert keine praktikable Lösung. Die richtige Antwort gewesen: Eine Frau, die von 20-50 Männern umzingelt wird, die ihr die Kleider vom Leib reißen und sie begrapschen, kann sich davor nicht schützen. Das konnte ja am Silvesterabend auch die Polizei in den meisten Fällen nicht. Da die Vorschläge von Frau Reker im Zusammenhang mit den Ereignissen völlig unbrauchbar sind, entstand der – meiner Meinung nach auch berechtigte Eindruck – dass den Frauen und Opfern hier eine implizite Mitschuld gegeben wird, da sie z.B. nicht genügend Abstand gehalten hätten. Mich persönlich verwundert das nicht. Ich habe solche Schuldzuweisungen schon öfter mitbekommen, arbeite ich doch seit Jahren mit Frauen, die sexuell traumatisiert wurden. Mir sind diese impliziten Schuldzuweisungen bekannt und die stecken in unserer Gesellschaft so tief drin, dass sie in Stressituationen auch mal ausgesprochen werden – wie hier.

Es tauchte dann der Polizeibericht über die Silvesternacht auf, verfasst am 01.Januar, und da stand, es wäre ruhig zugegangen. Belege bringe ich hier nicht, besser lässt sich diese Chronologie bei Peter Winnemöller auf seinem Blog katholon nachlesen.

Spätestens da wurde es verwunderlich. Der Polizeipräsident von Köln, Wolfgang Albers, hielt sich bei der Pressekonfernz mit Frau Reker bedeckt. Er gab keine Auskunft darüber, warum dieser Bericht vorhanden war und wie er zustande kam.

Mit dem Wissen, dass die Täter nicht bekannt seien – gleichzeitig aber auch mit dem Hinweis, es seien keine Flüchtlinge (wie immer man das gewußt haben will bei unbekannten Tätern), vergingen einige Tage, in denen die Ereignisse von Köln auch in der internationalen Nachrichtenberichterstattung immer mehr Raum einnahmen. Es tauchten desweiteren andere Städtenamen auf, in denen gleiche Vorfälle passiert waren, Hamburg, Bielefeld, Düsseldorf und Stuttgart. Eine Terrorwarnung in München für den Silvesterabend verschwand aus den Nachrichten.

Gestern tauchte auf  T-online auf einmal die Nachricht auf, es gäbe Ermittlungserfolge, und die Täter stammten aus der örtlichen Drogenszene.  Ich unterhielt mich über diese Nachricht wieder mit einer Freundin, und wir beide fanden das seltsam. Solche Taten passen nicht wirklich zu Drogenabhängigen. Sollen das 1000 Dealer gewesen sein? Ich hatte den Eindruck: ein Schuldiger muß her. Und zwar schnell. Damit die Bevölkerung beruhigt wird. Geglaubt habe ich es nicht.

Es wurde auch betont, dass die Täter zwar sexuelle Straftaten begangen hätten, diese hätten aber lediglich dazu gedient, die Opfer abzulenken, und zu bestehlen. Gestern tauchte eine Zeugenaussage auf, eins der Opfer berichtet genau das Gegenteil. Ihr Handy wäre leicht zu stehlen gewesen, hätte aber niemanden interessiert. Interessiert hätte nur die sexuelle Belästigung. Bericht eines Opfers über sexuelle Absichten der Täter

Unter anderem setzte eine massive Polizeischelte ein. Nun habe ich ja lange in Köln gewohnt. Und ich weiß: Köln ist liebenswürdig anders. Es verwundert mich im ersten Augenblick also eher nicht, wenn ans Tageslicht kommen sollte, dass es einen unkoordinierten Polizeieinsatz gab. Köln eben. Diese Polizeischelte hatte aber etwas Gutes. Es platzte wohl einem oder mehreren Bundespolizisten der Kragen über die unberechtigte Polizeischelte und sie spielten einen internen Polizeibericht über die Geschehnisse der Presse zu.

Was soll man da wohl sagen. Es wurden 100 Menschen kontrolliert, und  Welt  schreibt, es seien mehrheitlich Syrer gewesen, ich zitiere:  „Die meisten waren frisch eingereiste Asylbewerber. Sie haben Dokumente vorgelegt, die beim Stellen eines Asylantrags ausgehändigt werden.“

Wie stellt sich das ganze nun in meinen Augen dar?

Offenbar kam es in der Silvesternacht in mehreren Großstädten Deutschlands, und offenbar auch in Österreich und der Schweiz, zu Verfolgungsjagden auf Frauen, mit dem Ziel, diese sexuell zu belästigen und zu traumatisieren. Die Taten – so sieht es für mich im Moment aus – wurden mehrheitlich von syrischen Asylbewerbern begangen.

Die Antwort unserer Regierenden und Amtsinhaber auf dieses unvorstellbare Verbrechen ist: Verschweigen, Vertuschen und Verharmlosen.

Es gibt wohl inzwischen Deutsche, die sich zu Bürgerwehren zusammengeschlossen haben, und die sich zum Ziel gesetzt haben, die Frauen auf Deutschlands Strassen zu schützen, da die Polizei es offenbar nicht mehr kann.

Wohlgemerkt: wir reden hier von Deutschland.

Dienstags wollen sich nun wohl auch Rechte treffen, um am Abend in Gruppen durch Köln zu gehen, und Ausländer zu attackieren. Die entsprechende Facebookgruppe, in der sie sich verabredet haben, wurde offenbar gelöscht. Und am Samstag will Pegida demonstrieren – die Linken kommen natürlich zur Gegendemonstration.

Mir tut die Polizei leid. Wie wollen die das mit ihrer chronischen Unterbesetzung eigentlich hinkriegen?

Mir tun die Frauen leid, es wurden in der Silvesternacht so viele traumatisiert – viele von ihnen werden damit lebenslang zu kämpfen haben, einige psychisch daran erkranken, andere ihre Arbeit verlieren, weil sie nicht mehr ihren Alltag bewältigen können, weil sich diese Verbrechen in den Vordergrund ihres Bewußtseins drängen werden.

Mir tun die Freunde der Frauen leid, die ihre Freundinnen/Frauen nicht beschützen können. Sie fühlen sich ohnmächtig. Es kann sein, dass ihre Frauen sie nun dafür innerlich verachten, weil sie sie nicht beschützt haben. Es werden Beziehungen auseinandergehen, weil die Ereignisse zu belastend waren.

Mir tun die Deutschen leid. Deutschland wird zusehends instabil. Deutschlands Stabilität ruht nicht auf Wirtschaftswachstumszahlen, sondern auf Werten. Und diese Werte werden gerade mit Füßen getreten.

Mir tun die Kölner leid. Aber ich habe auch Hoffnung, dass Ihr mit Eurem großen Humor und Eurem Zusammenhalt auch das meistert.

An die Regierung und die Verantwortlichen möchte ich mich eigentlich gar nicht wenden. Dafür ist mein Vertrauensverlust nach all diesem Verschweigen und Vertuschen zu groß. Worte höre ich wohl, aber Taten wären besser.

Es gehören personelle Veränderungen her. Um Deutschlands willen.

 

 

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3 Antworten zu Oh, Du min Köln am Rhing

  1. Henrica Hannah schreibt:

    Hat dies auf Weihrausch und Gnadenvergiftung rebloggt und kommentierte:
    Besser hätte ich es nicht zusammenfassen können.

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  2. „Mir tun die Deutschen leid. Deutschland wird zusehends instabil. Deutschlands Stabilität ruht nicht auf Wirtschaftswachstumszahlen, sondern auf Werten. Und diese Werte werden gerade mit Füßen getreten.“

    Ein auf den Punkt treffender Absatz. Sehr guter Kommentar. Vielen Dank dafür.

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